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Kaufberatung VW Käfer

VW 1200 Mexico von 1985 (links) und VW 1302 von 1972 (rechts)

Die Gründe, weshalb man sich letztendlich für einen Käfer entschieden hat sind vielfältig! In vielen Fällen war es das allererste eigene Auto, mit dem man zum ersten mal in den Urlaub gefahren ist, in dem man möglicherweise seine erste große Liebe kennen gelernt hatte, der eigene Opa hatte einen Käfer und man ist als kleines Kind mit Begeisterung auf der Rückbank herum getollt (ja das war damals wirklich so!) und man möchte einfach dieses Gefühl wieder erleben bzw. in Erinnerung rufen! Aber bitte nicht wieder auf der Rückbank herum hüpfen!!!


Dafür seid Ihr dann doch zu alt! Was Ihr dann allerdings mit Eurer Liebe macht, bleibt dann aber Euch überlassen...! ;-)

Scherz beiseite...! Oder man fand den Käfer schon immer kultig und möchte dieses Fahrgefühl des kleinen Krabblers einfach auch mal  erleben. Eigentlich ist es völlig egal, welchen Grund es hierfür gibt. Wenn man den Entschluß gefaßt hat, sich einen VW Käfer zu kaufen, sollte einiges beachten!

Aber hierzu gleich mehr!   

Während seiner jahrzehnte langer Bauzeit bis 2003 wurde der Käfer, naja sagen wir mal, nahezu "unverändert" gebaut. Bevor aber der ein oder andere hier jetzt aufschreien möchte, ja, er wurde selbstverständlich über die Jahre hinweg mehr und mehr optimiert. Aber vom wesentlichen her, blieb er immer der Gleiche! Somit sind seine Schwächen auch die Gleichen geblieben. Frei nach dem Motto, "Kennst Du einen, kennst Du alle!".   

Das macht es dadurch etwas einfach, um aufzuzeigen, wo der Käfer seine Stärken und Schwächen hat. In dieser Rubrik wollen wie Euch zeigen, worauf es zu achten gilt, wenn einmal das Objekt der Begierde gefunden wurde. Für diejenigen, die hier glauben eine Beratung zu finden, welches Modell man sich am besten zulegen sollte, welches sich als Wertanlage am besten eignet, die sind hier leider falsch! Bei denen bedanken wir uns bis hierhin recht herzlich für die Aufmerksamkeit und sagen es mit den Worten von Peter Lustig: "Ihr könnt jetzt ruhig mal abschalten!" ;-)  

Nein, bitte jetzt nicht böse sein! Selbstverständlich dürft Ihr hier weiter lesen. Wir nehmen das Ganze nur nicht so ernst! Was wir möchten, solltet Ihr einen Käfer kaufen wollen, daß Ihr nicht bei dem erstbesten gleich über den Tisch gezogen werdet. Wenn man sich mit dem Thema noch nie wirklich auseinander gesetzt hat, kann das durchaus ganz schnell ins Auge gehen bzw. ganz schön ins Geld!   

Markannte Unterschiede am Heck, die Rückleuchten. Die sogenannten "Bügeleisen" am 1302 und die "Elefantenfüße" am 1200er.

Bilder von rostigen, verpfuschten Käfern ersparen wir Euch hier. Denn solche gibt es vermutlich genauso viele, wie vom Käfer jemals gebaut wurden! Nur ein paar werden wir hier Euch aufzeigen, um diese quasi gegenüber zu stellen. Viel eher sollt Ihr hier einen Überblick gewinnen, wie es in der Regel bei einem guten Exemplar auszusehen hat. Die meisten der Käfer-Enthusiasten sind der Meinung, der Mexico-Käfer sei gegenüber seiner deutschen Brüder wegen dessen schlechteren Qualität und somit auch Rostanfälligkeit die schlechter Wahl. Mmmm naaaaa...jaaaa! Sagen wir mal, ja und nein!  




Volkswagen hatte in den Anfang bis Mitte der 1970er Jahre qualitativ schlechteres Blech zum Bau seiner Autos verwendet. So auch beim Käfer, weshalb diese auch sehr gerne rosteten. Ausnahmen bestätigen aber die Regel! Hinzu kam, daß zusätzlich Anstelle der Gummidichtung zwischen Karosserie und Bodengruppe eine Art Schaumstoff("irgendwas")-Dichtung Verwendung fand. Dies war somit natürlich der beste Nährboden für Rost, sobald sich diese Dichtung über die Jahre mit Feuchtigkeit voll gesogen hatte. Selbige Dichtung fand leider auch bei den Mexikanern wieder Verwendung. Dennoch sind die älteren Exemplare aus Puebla oftmals doch besser als ihr Ruf! Zumindest im Vergleich ihrer Kollegen aus den 1990er Jahren, den VW 1600i. Dadurch, daß diese Käfer eigentlich nicht mehr für den deutschen bzw. europäischen Markt vorgesehen waren, nur über Privatimporteure hierher gebracht wurden und VW für die Qualitätssicherung nicht mehr so stark dahinter stand, rosteten diese vergleichsweise in kürzester Zeit unterm Ars... Entschuldigung, Hintern weg! (Ausnahme, diese Käfer wurden im Nachhinein konserviert!) Im Gegensatz wie es bei denen aus den 1980er Jahren der Fall war, denn diese waren doch noch etwas besser konserviert, damit sie die europäischen klimatischen Verhältnisse überlebten. Auch machte bei den jüngeren 1600i die Elektrik oftmals Probleme, sei es die Einspritzanlage, das Steuergerät für selbige oder die Alarmanlage. Aber bevor wir uns hier zu sehr vertiefen, konzentrieren wir uns lieber auf diese beiden Käfer!  

Anhand dieser beiden Kandidaten, wollen wir Euch zeigen, wohin Ihr genau Eure Augen richten solltet. Gegenüber stehen zum einen ein VW 1302 mit Halbautomatik (ja, sowas gab es beim Käfer!) von 1972 mit charmanter Patina, zum anderen ein wieder neu aufgebauter Mexico-Käfer VW 1200 von 1985, Sondermodell "50 Jahre Käfer".   

Bevor es aber mit diesen weiter geht, seien noch ein paar Sachen gesagt. Wenn Ihr Euch einen VW Käfer z.B. im Internet auf den entsprechenden Plattformen gefunden habt, tut uns bitte einen Gefallen!

Verliebt Euch bitte nicht Hals über Kopf in den erstbesten Käfer! Neeeeiiiiin! Macht das bitte, bitte, bitte nicht! Auf keinen Fall!!! Auch wenn es noch so schwer fällt, geht bei der Sache objektiv heran. Denn Fotos im Netz sind leider meist nicht wirklich aussagekräftig, diese Erfahrung mußten viele, so auch wir, schon machen! Der Teufel liegt oftmals im Detail und das sieht man dann logischerweise immer erst vor Ort. Nehmt Euch bei der Suche Zeit, vergleicht die Preise. Diese schwanken von Käfer zu Käfer. Ein preislich recht hoch angesetzter Käfer ist auch nicht immer ein Garant für dessen guten Zustand. Habt Geduld und überstürzt nichts, schaut Euch jeden Käfer genau an, auch wenn es irgendwann nerven sollte. Wir kennen das auch aus eigener Erfahrung! Es macht überhaupt keinen Sinn, wenn Ihr Euch dann später über den Kauf grün ärgert!   

So, nun habt Ihr endlich einen Käfer gefunden. Dieser soll besichtig werden. Der Termin steht. Vielleicht soll es dieser auch sein?! Wenn Ihr Euch allein zu unsicher seid, keinerlei Erfahrung habt, dann nehmt bitte jemanden mit, der sich mit alten Autos, oder noch besser mit Käfern, auskennt! Grundsätzlich ist es immer besser zu zweit ein Fahrzeug seiner Wahl anzusehen. Denn vier Augen sehen ja bekanntlich mehr als zwei! Besichtigt nie ein Auto, wenn es regnet. Ein nasses Fahrzeug verfälscht die Lackbeschaffenheit und man erkennt die Kratzer, Beulen, Nachlackierungen oder gar irgendwelchen Pfusch erst gar nicht. Eine Hebebühne oder Grube wären sicherlich sehr hilfreich, den Käfer von unten zu besichtigen. Aber bei privaten Verkäufen ist das meist nicht möglich. Dann heißt es nicht zimperlich sein und unters Auto kriechen! Bedeutet, Ihr solltet nicht unbedingt das beste Sonntagsgewand anziehen! ;-) Was braucht Ihr noch? Eine kleine Taschenlampe sollte nicht fehlen, um die dunklen Ecken besser ausleuchten zu können, ebenso ein so genannter "Spachtelfinder" bzw. Magnet, um die neuralgischen Stellen an der Karosserie abzuchecken. Solche einfachen Lackstärken-Tester findet Ihr schon für kleines Geld bei Ebay.  

Jetzt geht es aber endlich los...!  


Die Karosserie 

Der Kofferraum des 1200er...

Beginnen wir am Vorderwagen und werfen erst einmal einen Blick in den Kofferraum.  

Ja hoppla, wird sich wohl der Laie jetzt hier denken! Die beiden sehen ja irgendwie anders aus! Stimmt genau. Das liegt daran, daß der VW 1302/1303 mit dem so genannten "langen" Vorderwagen eine Vorderachse mit Mc Pherson Federbeinen verbaut haben, weshalb der Kofferraum somit großzügiger ausfällt, als beim VW 1200 mit "kurzem" Vorderwagen, der herkömmlichen und eigentlich typischen Längslenker Vorderachse mit zwei einzelnen Federpaketen in den jeweiligen Achsrohren. Aber auf dieses Thema gehen wir später ein.  


...und der des 1302er.

Nehmt das Reserverad heraus und checkt die Mulde. Am 1200er könnt Ihr sehen, daß hier der Bereich fachmännisch instand gesetzt wurde. Die Innenseiten der Endspitzen sind meist von Rost befallen, ebenso die Mulde für das Reserverad, genauso die Aussparung hinter dem selbigen, welche für den Scheibenwaschbehälter (hier rostet es auch sehr gerne!) dient. Kommt Euch allerdings irgendein schwarzer Unterbodenschutz o.Ä., vielleicht sogar in Verbindung mit Glasfasermatten entgegen, oder es wurde mit Dichtmasse modelliert, Finger weg!


  

Die Reserveradmulde beim VW 1200...

Beim VW1302/1303 seht Ihr allerdings eine vollständige Wanne, in der das Rad liegt. Diese gammelt auch recht gern, ebenso der Bereich der Endspitzen. Schaut Euch auch genau die beiden Federbeindome an! Hier wird oft mit Blechen "gebraten", wenn diese vom Rost zerfressen sind. Wenn dies der Fall sein sollte, wird eine Instandsetzung recht aufwendig. Hier sieht es allerdings sehr gut aus! Scheut Euch auch nicht davor, die Kofferraumpappe/Teppich hoch zu heben, um einen Blick darunter zu werfen. Somit habt Ihr komplett freien Blick auf den gesamten Kofferraum und den Tank. Bei der Gelegenheit schaut auch gleich mal auf die Innenseite der Kotflügelschraubkanten. Meistens "blüht" hier auch der Rost.   


...und die Reserveradwanne beim VW 1302.

Da wir schon dabei sind, die Leisten, an denen die Dichtungen der Frontklappe befestigt sind, gammeln auch sehr gerne! Beim 1200er wurden diese im Zuge der Restauration allerdings entfernt, da sie nicht mehr rettbar waren. Anstelle wurde die Dichtung vom VW 1600i an der Haube montiert, was aber durchaus gängige Praxis ist. Beim 1302 sieht es allerdings sehr gut aus! Hier ist noch alles original.   




Hier "blüht" der Rost bereits am Rande der Scheinwerferringe.

Nun gilt es, einen Blick auf und unter die Kotflügel zu werfen. Hier gammelt es oft rund um die Scheinwerferringe. Genauso die Lampentöpfe. Ebenso an den Schraubkanten entlang der Keder. Beim Blick unter die Kotflügel, schaut Euch unbedingt die Endspitzen von außen an. Hier werden nämlich die Stoßstangen angeschraubt. Der hinteren Bereich des Radhauses sollte auch genau nach Rost bzw. Blechreparaturen untersucht werden. Hier trifft das Radhaus auf die Verlängerung des Schwellers, in dem der Warmluftkanal der Heizung verläuft. Dieser Teil wird recht stark von Steinschlägen, Spritzwasser und früher auch Salz beansprucht. Zusätzlich entsteht im Inneren des Schwellers durch die Benutzung der Heizung Kondenswasser, weshalb es gerne von innen heraus zu rosten beginnt. Oft sind diese Bereiche im Radhaus für den TÜV mit Blechen geflickt. Darunter gammelt es aber fröhlich weiter.  

Beim 1200er ist diese Stelle noch unangetastet, beim 1302er wurde schon was gemacht. Zugegeben aber recht gut! Da haben wir schon ganz andere Sachen gesehen!

Der Falz an den Seitenwänden wird meist auch vom Rost befallen (hier auch auf Spachtelmasse achten!). Wenn der mal da drin sitzt, wird es schwierig, dem Rost Herr zu werden! Dieser Falz erstreckt sich weiter über die A-Säule, entlang vom Dach nach hinten und dient gleichzeitig als Regenrinne. Das erklärt, warum es hier recht gerne zu blühen beginnt!   

Der Scheibenrahmen. Kommen hier an den unteren Ecken schon unter der Dichtung Blasen entgegen, ist das Blech in der Regel schon durchgerostet. Da dies die tiefste Stelle ist, die Dichtungen oftmals auch schon recht porös sind sammelt sich hier der Schmutz und in Verbindung mit Feuchtigkeit... Na? Richtig! Rost! Da lohnt auch ein Blick von der Unterseite. Das geht beim 1200er und 1302er über den Kofferraum recht gut.   


Jetzt werfen wir uns dann noch unter die Kotflügel. Wie schon gesagt, sind die Endspitzen, an denen die Stoßstangenhalter verschraubt sind, recht rostanfällig! Schaut Euch diese genau an, klopft sie ein wenig ab. Oft wird hier mit viel Unterbodenschutz o.Ä. der Rostbefall kaschiert. Im Fall des VW 1302 schaut es an den Stellen sehr gut aus! Am Beispiel des 1200er haben wir hier zweierlei Bilder, an denen wir Euch zeigen wollen, wie es im schlimmsten bzw. besten Fall aussehen kann.





 
 
 
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